Träumen Sie schon jetzt vom ersten fruchtigen Rhabarberkuchen der Saison? Mit einem einfachen Haushaltsgegenstand wecken Sie Ihre Pflanzen früher aus dem Winterschlaf und machen die Ernte deutlich milder im Geschmack.
Das Warten auf die ersten roten Spitzen
In vielen deutschen Gärten gehört der Rhabarber zu den ersten Highlights des Frühlings. Doch oft lässt er auf sich warten, und die ersten Stangen sind manchmal sehr faserig oder extrem sauer. Wer im März ungeduldig auf sein Beet schaut, wünscht sich oft eine Abkürzung.
Das Problem ist die kühle Witterung im Vorfrühling, die das Wachstum bremst. Zudem bildet die Pflanze bei normalem Licht viel Oxalsäure aus, was den typisch herben Geschmack verursacht, den nicht jeder Gartenfreund gleichermaßen schätzt.
Die Lösung: Rhabarber im Dunkeln „treiben“
Es gibt eine alte Gärtnermethode, die heute ein echtes Comeback feiert: das sogenannte „Treiben“ oder „Bleichen“. Der Clou dabei ist, die Pflanze komplett vom Licht abzuschneiden, sobald die ersten Knospen aus der Erde schauen.
Durch diese Methode, die idealerweise Ende Februar oder Anfang März gestartet wird, gewinnen Sie einen wertvollen Zeitvorsprung. Während der Rhabarber der Nachbarn noch mühsam wächst, können Sie oft schon zwei Wochen früher die ersten Stangen für die Küche schneiden.
Wie die Dunkelheit den Geschmack veredelt
Die Mechanik hinter diesem Trick ist faszinierend. Unter einer lichtdichten Abdeckung sucht die Pflanze verzweifelt nach Licht und streckt ihre Stangen daher viel schneller und weiter nach oben als im Freien.
Da unter dem Eimer keine Photosynthese stattfindet, bleibt die Bildung von Chlorophyll aus. Das Ergebnis sind wunderschöne, hellrosa bis leuchtend rote Stangen mit sehr kleinen, gelblichen Blättern. Da die Pflanze weniger Energie in die Blattbildung steckt, bleiben die Fasern zarter und der Geschmack deutlich süßer.
Weniger Oxalsäure für empfindliche Genießer
Ein großer Vorteil für die Gesundheit: Gebleichter Rhabarber enthält nachweislich weniger Oxalsäure als das im Licht gewachsene Pendant. Das macht ihn bekömmlicher und schont den Zahnschmelz beim Genießen.
Interessante Artikel:
Zudem sorgt das Mikroklima unter der Abdeckung dafür, dass die Feuchtigkeit besser gehalten wird. Die Stangen werden dadurch besonders saftig. Für viele Feinschmecker gilt dieser „verfrühte“ Rhabarber als die absolute Delikatesse des Gartenjahres.
Der Vergleich: Eimer vs. natürliches Wachstum
Im Vergleich zum normalen Anbau benötigt die Eimer-Methode fast keine zusätzliche Pflege. Während man im Beet oft gegen Unkraut kämpfen muss, unterdrückt die Abdeckung jeglichen Beiwuchs rund um die Pflanze.
Ein kleiner Nachteil sollte jedoch nicht verschwiegen werden: Das Treiben kostet die Pflanze viel Kraft. Daher sollten Sie diesen Trick nicht jedes Jahr bei derselben Staude anwenden, sondern Ihren Pflanzen zwischendurch ein Jahr Pause zum Regenerieren gönnen.
Checkliste für den perfekten Eimer-Trick
Möchten Sie dieses Jahr den Turbo-Rhabarber ausprobieren? So gehen Sie im März am besten vor:
- Pflanze wählen: Nutzen Sie nur kräftige, mindestens drei Jahre alte Rhabarberstauden.
- Abdeckung: Stülpen Sie einen großen, lichtdichten Eimer oder einen speziellen Terrakotta-Topf über die Pflanze.
- Beschweren: Legen Sie einen Stein auf den Eimer, damit er bei Frühlingsstürmen nicht wegweht.
- Isolieren: Legen Sie bei starkem Frost etwas Stroh oder Laub um den Eimer herum, um die Wärme im Inneren zu halten.
- Ernten: Sobald die Stangen den Deckel des Eimers berühren, ist es Zeit für die Ernte.
- Nachsorge: Entfernen Sie den Eimer nach der frühen Ernte und lassen Sie die Pflanze für den Rest des Jahres in Ruhe wachsen.
Profi-Wissen und wissenschaftliche Fakten
Wissenschaftlich gesehen nutzt das „Treiben“ die gespeicherten Kohlenhydrate im Wurzelstock (Rhizom) der Pflanze. Die Temperatur unter dem Eimer liegt oft 2 bis 3 Grad über der Außentemperatur, was den Stoffwechsel der Pflanze ankurbelt (nach Daten des Gartenbaus).
Ein kleiner Tipp vom Experten: Wenn Sie besonders ungeduldig sind, können Sie eine Schicht frischen Pferdemist um den Eimer herum verteilen. Die bei der Zersetzung entstehende Wärme wirkt wie eine natürliche Heizung und beschleunigt den Vorgang zusätzlich.
Ein süßer Start in den Frühling
Zusammenfassend ist die Eimer-Methode der einfachste Weg, um sich einen kulinarischen Vorsprung zu verschaffen. Mit minimalem Aufwand erhalten Sie eine Ernte, die an Zartheit und Süße kaum zu übertreffen ist.













